»Lager unter den Linden«

Das Familienunternehmen Friedrich Lütvogt erweitert sein Logistikzentrum um eine ökologisch anspruchsvolle Halle in Holzbauweise. Der Einzug ist im Dezember 2014 vorgesehen.

Kaum ein Unternehmen baut gerne Lagerhallen: Sie kosten viel und in ihnen steht gebundenes Kapital. Doch langfristige Betriebsentwicklung, explodierende Sortenvielfalt und das Erfordernis verbesserter Lagerbedingungen für anspruchsvolle Getränke und Verpackungsmaterialien machen beim traditionsreichen Wagenfelder Getränkeunternehmen den Bau einer weiteren Lagerhalle noch vor dem kommenden Winter unumgänglich.

Frage: Der Bau der neuen Halle zeigt, dass sich das Unternehmen Friedrich Lütvogt gut entwickelt?!
Dirk Lütvogt: Langfristig - so hoffen wir - ja, obwohl wir zum Jahresende im Bereich der PET-Abfüllung einen Rückschlag erleiden und die Branche einem Haifischbecken gleicht. Wir verlieren ein großes Volumen, von dem wir jedoch glauben, es in absehbarer Zeit durch steigende Mengen in anderen Projekten unseres erklärten Zukunftsfeldes „moderne, umweltfreundliche Mehrweg-Glasabfüllung“ kompensieren zu können. Wir haben deshalb viele Monate gezögert und den schon länger geplanten Bau immer wieder hinaus geschoben. Doch jetzt haben wir uns durchgerungen, weil insbesondere die wachsende Artikel-vielfalt immer mehr Platz beansprucht und wir nur noch mit großer Mühe die ordnungsgemäße Lagerung unserer Ware gewährleisten können. Unsere Hausbanken sind bereit, diesen abermals großen Investitionsschritt mit uns zu gehen. Zudem ist das Zinsniveau historisch günstig, insbesondere für öffentliche Kreditmittel im Bereich „Nachhaltigkeit“.

Frage: Nachhaltigkeit ist ein gutes Stichwort. Die Halle soll ein „ökologischer Vorzeigebau“ werden. Worin wird sie sich von üblichen Industriehallen unterscheiden?
Dirk Lütvogt: Obwohl ich das Wort selber oft benutze - den Begriff Nachhaltigkeit mag ich eigentlich kaum noch gebrauchen, weil er heutzutage inflationär verwendet und missbraucht wird. Alles und jeder nimmt für sich in Anspruch nachhaltig zu sein. Auch wenn wir das erklärte Ziel haben, unserem Unternehmen echte ökologische Substanz und nicht nur einen „grünen Anstrich“ zu geben, muss ehrlicherweise gesagt werden, dass es eine „umweltfreundliche“ neue Lagerhalle nicht gibt. Wir überbauen rund 4.600 qm Wiese und verbrauchen dafür Ressourcen. Aber wir versuchen, diesen Eingriff in die Umwelt so intelligent und behutsam wie möglich vorzunehmen.

Frage: Wie kann das gelingen?
Dirk Lütvogt: Unser Hallenkonzept ruht auf drei Säulen.

  1. Wir wollen mit möglichst natürlichen Werkstoffen bauen, die bei ihrer Herstellung möglichst wenig Energie verbrauchen.
  2. Die Halle soll so gut isoliert und so intelligent temperiert werden, dass im Laufe ihres Lebens möglichst wenig CO2 durch sie freigesetzt wird. Diese beiden Punkte könnte man unter dem Stichwort „Klimaschutz“ zusammenfassen.
  3. Der 3. Punkt betrifft unsere Nachbarschaft im engeren und unsere Gemeinde im weiteren Sinne: wir wollen die „Kirche im Dorf lassen“ und möglichst „schön“ bauen. Darüber mögen viele Menschen lächeln, es gar für „Luxus“ halten, aber schon unser Vater Kurt Lütvogt war bestrebt, den Betrieb in das Dorfbild einzufügen. Unser Unternehmen soll kein wucherndes Krebsgeschwür in der Landschaft sein. Im Idealfall soll man die neue Industriehalle gar nicht als solche erkennen.

Frage: Wie wollen Sie das erreichen?
Dirk Lütvogt: Wir haben mit unserem Architekten Ostermeyer eine ungewöhnliche und vergleichsweise aufwändige Holzkonstruktion entwickelt: Statt eines großen Hallenschiffes mit Flachdach bauen wir in der Außenansicht vier kleinere Giebel und nehmen dem großen Baukörper damit die Wucht. In Verbindung mit der Holzfassade wird so die Halle einen eher ländlich-scheunenartigen Charakter erhalten. Zudem kombinieren wir durch eine aufwändige Statik die betrieblich notwendige Lagerhöhe mit der kleinstmöglichen Firsthöhe in der Außenansicht. Zu guter Letzt wird die Halle im unteren Drittel mit Mutterboden angewallt und taucht optisch ein Stück in die Landschaft ein. Anschließend werden wir mit heimischen Sträuchern und ansehnlichen Lindenbäumen die Fassade auflockern und harmonisch in die Landschaft einfügen. In einigen Jahren werden wir dann wohl ein „Lager unter den Linden“ bzw. ein angemessenes „Lütts Landlust Lager“ haben. Wir werden es vor allem für unsere neuen innovativen Getränke in umweltfreundlichen Glas-Mehrwegflaschen nutzen.

Frage: Unseres Wissens soll das Dach der neuen Halle auch der Stromerzeugung dienen?
Dirk Lütvogt: Das ist prinzipiell richtig, doch zunächst einmal hat uns Minister Gabriel mit seiner EEG-Reform einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem er den Eigenstromverbrauch von mittelständischen Unternehmen mit bis zu 40% EEG-Umlage belastet. Wieder einmal haben die Lobbyisten der Großkonzerne gesiegt und Verbraucher und viele kleinere und mittlere Unternehmen müssen weiterhin „draufzahlen“. Wir subventionieren z.B. die großen PET-Einweghersteller der Branche, die für die Discounter abfüllen. Wir haben hohe Summen in Energieeffizienz investiert und werden dafür mit voller EEG-Umlage „bestraft“. Die Einwegabfüller bekommen wegen ihres klimaschädlich hohen Stromverbrauches auch zukünftig 85% der EEG-Umlage zurückerstattet, obwohl sie nicht im internationalen Wettbewerb stehen: Das ist verkehrte Welt und eine massive Wettbewerbsverzerrung! Ohnehin ist das EEG ein Buch mit sieben Siegeln. Aber noch ist die Entscheidung nicht vom Tisch: Wir werden uns die Situation im Herbst sehr genau anschauen und dann entscheiden. Es wäre jammerschade, wenn das Projekt nicht realisiert werden könnte. Aufgrund unserer Betriebsstruktur könnten wir den durch eine Ost-West-Anlage erzeugten Strom nahezu vollständig nutzen - ohne jegliche Subventionen! Und wir brauchen den meisten Strom, wenn draußen die Sonne brennt, dann arbeiten wir sogar oft am Wochenende. Ökologisch sinnvoller geht es nicht.

Frage: Was bleibt noch zu sagen?
Dirk Lütvogt: Ein großes Dankeschön geht an die Gemeinde Wagenfeld, die uns den Weg, in Form der extrem schnellen Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes, frei gemacht hat. Auch mit den Fachbehörden des Landkreises Diepholz haben wir sehr konstruktive Gespräche geführt und gute Lösungen gefunden. Wir fühlen uns dadurch erwünscht und hoffen, das uns entgegengebrachte Vertrauen durch eine weiterhin solide Unternehmensentwicklung und Arbeitsplatzsicherung rechtfertigen zu können. Besonderer Dank geht aber an unsere Nachbarn, denen wir nun noch ein Stückchen dichter auf den Leib rücken dürfen. Sie haben dem Bau zugestimmt und uns auch die vorübergehende Baustraße am Hundeort ermöglicht. So kann der Hallenbau in der Hochsaison voranschreiten, ohne dass wir mit Baustellenfahrzeugen über unser Betriebsgelände fahren müssen. Das erhöht die Sicherheit enorm und bewahrt uns vor einem Verkehrschaos. Nach Abschluss der Baumaßnahme wird diese Zufahrt zurückgebaut und wieder den Pferden überlassen.

Hier können Sie den kompletten Artikel als PDF herunterladen